a line has two sides

2015 - KE 4

Concertperformance for
Wurlitzer Piano, Harp, Dance, Electronics, Light


Christian Lorenzen (Wurlitzer Piano)

Miriam Overlach (Harp)

Linda Nordström (Dance)

Justin Carter (Dance)

Jan Baumgart (Sound Director)

Rebecca ter Braak (Photography)

Roman Pfeifer (Concept, Composition)


Obwohl von einem Musiker erfunden, betritt die Stimmgabel neben der Einstimmung von Instrumenten eher selten als vollwertiges Instrument die Bühne. Eher ist sie dazu geeignet, Resonanzen, Schwebungen und Dopplereffekte zu demonstrieren, Knochenbruchstellen aufzuspüren oder Sphärenharmonien zu erzeugen.Und so machen Physiker, Akustiker, Mediziner, Esoteriker und Musiker gleichsam von ihr Gebrauch.
Neben ihrer Funktion als Präzisionsinstrument kann die Stimmgabel auch als Bauteil komplexerer Apparaturen dienen:
bei Jules Antoine Lissajous, der mit Lampen, Linsen und Spiegeln elementare Schwingungsformen (Linien, Kreise, Achten, Wellen und Schleifen) projiziert und das Oscilloskop vorwegnimmt, sowie bei Hermann von Helmholtz, der Stimmgabeln mit Magneten, Spulen und Resonatoren in Dauerschwingung versetzt, um künstliche Vokale und andere Farben durch Addition reiner Schwingungen zu erzeugen.
Auch im Instrumentenbau findet sie als Variante der Celesta im Dulcitone (Stimmgabeln mit einer Klaviermechanik) und seiner elektrifizierten Fassung, dem Stage Piano (Rhoads oder Wurlitzer), einen Platz im Ambiente von Jazz und Popmusik. Und gerade weil die Metallzungenklaviere klanglich als etwas zu leicht, zu süßlich befunden werden – ähnlich wie Harfe, Glockenspiel und Toypiano – lässt sich mit der Stimmgabel dieser seltsame Bereich zwischen Fahrstuhlmusik und reiner Akustik erkunden.